Für viele Menschen macht er die Familie erst komplett – der Familienhund. Er soll ein treuer Begleiter sein, sich mit den Kindern verstehen und am besten auch mal zurückstecken können, wenn es gerade stressig wird. Familienhund zu sein ist also ein richtiger Job. Welche Hunde sich dafür gut eignen und welche eher weniger, beleuchten wir in diesem Artikel.

Anforderungen an einen Familienhund

Im Internet kursieren mehrere Listen mit Empfehlungen für Familienhunde. Dabei ist es recht schwierig, generell eine Rasse zu empfehlen oder nicht zu empfehlen. Die Wahl des Familienhundes sollte vielmehr ein paar Charakteristika des zukünftigen Hundes mit einbeziehen. Dazu kann auch die Rasse des Hundes (und seine damit verbundenen Anlagen) mit einbezogen werden. Genau so wichtig sind jedoch auch, wo und wie der Hund aufgewachsen ist, was der Hund für Anforderungen stellt und was Du Dir eigentlich unter einem Familienhund vorstellst!

Anforderungen an den Charakter des Hundes

Familienhund

Ein Hund macht viele Familien erst komplett.

Der Charakter eines Hundes bestimmt natürlich maßgeblich sein Verhalten Dir und dem Rest der Familie gegenüber, aber auch der Umwelt gegenüber. Hier kannst Du Dir natürlich überlegen, was Dir wichtig und was eher zweitrangig ist. Für ein entspanntes Familienleben würden wir allerdings die folgenden Charakterzüge als wichtig empfinden:

Offenheit und Neugier

Das Merkmal Offenheit beschreibt im Großen und Ganzen, wie offen Dein Hund für neue Erfahrungen ist. Wie neugierig ist er, erlebt er gerne etwas Neues oder findet er gut, was er kennt und ist eher ängstlich gegenüber neuen Sachen? Beides kann angenehm sein und es kommt auf Deine Familie an, was ihr braucht. Eher verschlossene Hunde wollen zum Beispiel nicht auf jeden Fremden zu, um ihn zu begrüßen. Auch das kann angenehm sein. Doch für eine Familie, in der ja öfter mal etwas Ungeplantes passiert, viel Besuch kommt und die auch etwas unternehmen möchte, sollte ein bisschen Offenheit und Neugier oder Erkundungsdrang im Hund vorliegen.

Einfallsreichtum und Kreativität

Ein einfallsreicher Hund mit kreativer Energie ist toll für jemanden, der gerne mit seinem Hund arbeiten möchte. Zum Clickertraining zum Beispiel ist ein Hund mit Ideen toll, der verschiedene Verhaltensweisen ausprobiert. Kreative Hunde (mit krimineller Energie) bringen sich allerdings auch jede Menge Unsinn bei. Einige lernen zum Beispiel, die Futtertonne zu öffnen, andere überlegen sich, dass es cool wäre, wenn sie die Haustür öffnen könnten. Mein Hund (Benji, ein Australian Shepherd) hat sich zum Beispiel durch viel Durchhaltevermögen und unzählige Versuche beigebracht, Türen zu öffnen – und hat dadurch einmal einem ganzen Rudel Bürohunde den Ausbruch aus dem Büro ermöglicht. Für eine Familie ist daher eher ein Hund mit weniger Einfallsreichtum von Vorteil.

Trainierbarkeit

Zum Faktor Trainierbarkeit gehören zum Beispiel die Eigenständigkeit und der Wille zur Zusammenarbeit des Hundes. Zwischen diesen beiden sollte ein Gleichgewicht herrschen. Einerseits ist ein Hund, der sich auch alleine beschäftigen kann, praktisch, wenn man sich gerade nicht um ihn kümmern kann. Andererseits ist es sehr praktisch, wenn der Hund mit Dir als Mensch zusammenarbeiten will. Einem sehr unabhängigen Hund etwas beizubringen, ist sehr mühsam und erfordert Arbeit. Hunde, die jedoch von Natur aus sehr gerne mit dem Menschen zusammenarbeiten und ihm gefallen wollen, lassen sich recht gut erziehen. Dabei ist natürlich wichtig, dass der Hund nicht in die Abhängigkeit zu einer Person rutscht und eine trennungsbedingte Störung entwickelt.

Zudem ist auch die Frage der Impulskontrolle eine wichtige. Hunde, die nicht impulsiv sind, lassen sich einfacher leiten. Impulsive Hunde können manchmal (auch wenn sie gerne würden) einfach nicht hören. Dafür ist der Impuls, etwas Bestimmtes zu tun, in dem Moment einfach zu groß.

Geselligkeit und Empfindlichkeit

Viele Familien finden es toll, wenn ihr Hund sich mit jedem (Hund oder Mensch) versteht. Doch nicht jeder Hund ist von Natur aus gesellig und geht gerne in den Kontakt mit anderen. Dies hat auch ein bisschen mit Offenheit zu tun. Einige Hunde sind – wie auch einige Menschen – eben doch lieber für sich. Andere hingegen treffen gerne ihre Hundefreunde. Für Familien bietet sich oft ein eher geselliger Hund an. Zudem sollte der Hund damit zurechtkommen, wenn ihn mal jemand aus Versehen anrempelt oder er sein Futter eine halbe Stunde später als sonst bekommt. In der Familie kann man nicht immer alles genau planen – Hunde mit einem sehr starken Verlangen nach Routine sind hier nicht ideal. Und auch Hunde, die sehr schnell alles persönlich nehmen, werden es in einem Haushalt mit Kindern oder unvorsichtigen Erwachsenen eher schwer haben.

geeignet als Familienhund eher nicht geeignet als Familienhund
offen für neue Erfahrungen eher ängstlich
etwas neugierig sehr neugierig
eher unkreativ einfallsreich und kreativ
will gerne zusammenarbeiten ist eher eigenständig
gute Impulskontrolle sehr impulsiv
gesellig ungesellig
eher unempfindlich empfindlich

Anforderungen des Hundes

Doch nicht nur wir Menschen haben Anforderungen an unseren Hund. Auch jeder Hund hat Anforderungen an den Menschen, die gegeben sein müssen. Dazu gehören die Grundbedürfnisse wie Futter, Auslauf und Beschäftigung. Und dazu gehören auch die rassespezifischen Bedürfnisse, die durch jahrelange Zucht in unsere Hunde hereinselektiert worden sind.

Physische Bedürfnisse

Ob ein Hund als Familienhund geeignet ist, hängt nicht nur von den Bedürfnissen der Familie ab. Es hängt auch davon ab, wie viel die Familie bereit ist, sich um das neue Familienmitglied zu kümmern. Dass jeder Hund gefüttert werden muss, ist klar. Ein Faktor, der hier aber vielleicht mit reinspielt, ist, wie viel die Familie bereit ist, für das Futter des Hundes zu bezahlen. Kleine Hunde kommen natürlich mit weniger Futter aus, als große Hunde.

Auch die Zeit und Strecke, die ein Hund auf einem Spaziergang zurücklegen möchte, ist abhängig von der Größe, aber auch der Rasse des Hundes. Hier sollte sich die Familie bewusst sein, wie viel Zeit und Bewegungsbereitschaft tatsächlich da ist. Oft bietet sich eher ein Hund an, der mit weniger Bewegung zufrieden ist. So kommt der Hund nicht zu kurz und nimmt einen längeren Spaziergang wahrscheinlich gerne mit, besteht aber nicht jeden Tag darauf.

Rassebedingte Bedürfnisse

Laut FCI (Federation Cynologique Internationale) lassen sich die heute bestehenden, anerkannten Rassen in 10 Gruppen einteilen. Darunter sind zum Beispiel die Gruppe der Treib- und Hütehunde, die Gruppe der Lauf- und Schweißhunde und auch die Gruppe der Gesellschafts- und Begleithunde. Jede dieser Gruppen hat ihre eigenen Besonderheiten, welche sich auch in ihren Bedürfnissen zeigen. Hütehunde haben zum Beispiel häufig einen starken Hüte- und Schutztrieb. Dieser sollte natürlich ausgelebt werden können, da er sich sonst in unerwünschtem Verhalten manifestieren könnte. Jagdhunde hingegen haben häufig genetisch programmiert einen starken Jagdtrieb. Auch hier muss eine angemessene Auslastung erfolgen, damit sich kein problematisches Verhalten einschleicht. Passend für Familien sind wohl Rassen aus der Gruppe der Gesellschafts- und Begleithunde, welche zu dem Zweck gezüchtet wurden, dass sie beim Menschen sind und ihm Gesellschaft leisten. Sie haben weniger Anforderungen und sind oft mit relativ wenig Auslastung zufrieden.

Aussehen, Größe und Fell

Neben den oft erhöhten Bewegungsbedürfnissen großer Rassen ist die Größe des Hundes auch ein Faktor, um den die Familie sich vorher Gedanken machen sollte. Ein Hund, der zum Beispiel größer ist, als das kleinste Kind, kann dem Kind auch unabsichtlich wehtun. Hier wäre also vielleicht eher ein kleiner Hund angebracht. Dazu kommt, dass kleine Hunde weniger „Kampfgewicht“ auf die Waage bringen und so selbst wenn sie gegen eines der Kinder laufen wenig Schaden anrichten können.

Auch das Fell des neuen Familienmitglieds ist ein Punkt, der bedacht werden sollte. Je mehr Fell durch die Wohnung fliegt, desto mehr Arbeit entsteht auch. Und je schwieriger und aufwändiger die Fellpflege ist, desto mehr Zeit muss hier rein investiert werden. Und wenn Familien eines nicht im Überfluss haben, dann ist dies oft Zeit. Also bietet sich an, einen Hund zu wählen, der möglichst einfach in der Fellpflege ist und dessen Haare sich gut einsaugen lassen.

Wo finde ich einen Familienhund?

Wie oben beschrieben, gibt es einige Persönlichkeitsmerkmale, die einen tollen Familienhund ausmachen. Diese Eigenschaften kannst Du entweder in einem erwachsenen Hund, der abgegeben werden soll, testen. Oder aber Du suchst Dir einen Züchter, bei dem die Welpen gut und artgerecht sozialisiert werden. Hunde, die in den ersten 8 Wochen ihres Lebens vieles kennenlernen, sind oft nicht zu ängstlich und können mit anfangs gruseligen Situationen gut umgehen. Sie lernen, offen für Neues zu sein und sich am Menschen oder anderen Hunden zu orientieren. Sie können ein Grundvertrauen aufbauen, sodass eine spätere trennungsbedingte Störung unwahrscheinlicher wird. Zudem lernen sie, mit anderen Hunden gut zu kommunizieren und sind so gewappnet für die Begegnung mit anderen Hunden.

Das heißt nicht, dass Hunde, die zum Beispiel aus dem Tierschutz kommen, keine guten Familienhunde sind. Aber hier ist oft nicht viel über die Vorgeschichte des Hundes bekannt. So kann es sein, dass in der Welpenzeit etwas passiert ist, was die Basis für ein späteres, unerwünschtes Verhalten bildet. Oder dass ein unschönes Erlebnis den Hund ängstlich gemacht hat. Diese Verhalten können sich manchmal auch erst nach der Pubertät bemerkbar machen. So ist ein Tierschutzhund oft eher ein „Überraschungs-Ei“, der eventuell mehr Arbeit bedeuten kann, als ein Welpe vom Züchter. Dessen sollte sich eine Familie bewusst sein, wenn sie sich einen Hund aus dem Tierschutz aussucht.

Unsere Empfehlungen

Es gibt viele tolle Hunderassen und viele tolle Hunde. Doch wie oben beschrieben, sind für viele Familien Hunde mit besonderen Merkmalen eher geeignet, als andere Hunde. Wir haben uns entschieden, drei Hunderassen herauszusuchen, von denen wir denken, dass sie als Familienhunde glücklich sein können, ohne dass die Familie zu viel Arbeit investieren muss. So sollte auch die Familie mit diesen Hunden glücklich sein. Wir ordnen unsere Vorschläge der Größe nach. Von groß, über mittelgroß, bis hin zu klein.

Golden Retriever/Labrador Retriever

Familienhund_Labrador

Labrador Retriever

Natürlich sind der Labrador Retriever und der Golden Retriever zwei unterschiedlichen Rassen. Dennoch sind sie sich ähnlich und haben ähnliche Anforderungen und ähnliche Wesen. Sich hier für den einen und gegen den anderen zu entscheiden, wäre sehr schwierig, daher stellen wir sie Dir beide vor. Sowohl der Golden, als aus der Labrador Retriever, sind ursprünglich für die Jagd gezüchtet worden. Genauer gesagt wurden sie gezüchtet, um die geschossene Beute zu apportieren. Beide Rassen haben also von Natur aus einen Jagdtrieb und apportieren häufig gerne Sachen. Die echten „Arbeitslinien“ sind daher absolut keine Hunde für Familien. Sie sind wirklich fordernd und wollen beschäftigt und ausgelastet werden. Zudem ist es ohne anstrengendes Anti-Jagd-Training oft nicht möglich, diese Hunde ohne Leine laufen zu lassen.

Dennoch gibt es neben den „Arbeitslinien“ noch die „Showlinien“. Diese Hunde werden nicht zur Arbeit gezüchtet, sondern eher nach Wesen und Aussehen selektiert. So kommt es bei diesen Linien immer noch vor, dass ein Hund einen starken Jagdtrieb hat. Darauf wird aber bei der Züchtung kein Wert mehr gelegt, sondern eher auf Aussehen und ein nettes Wesen.

Dementsprechend sind Labradore und Golden Retriever aus Showlinien häufig tolle Familienhunde. Sie sind freundlich, oft robust und brauchen keine besondere Aufgabe. Dennoch sind sie häufig intelligent und können bei Bedarf auch gut mitarbeiten und Tricks lernen. Wie oben beschrieben, sind diese Hunde recht groß und brauchen daher mehr Auslauf, als zum Beispiel ein Chihuahua. Verglichen mit anderen Hunden in der gleichen Größenordnung sind sie jedoch pflegeleicht und einfach zufriedenzustellen.

Es ist allerdings etwas Vorsicht geboten, denn Labrador Retriever gehören doch eher zu der Sorte Hund, die nicht das beste Körpergefühl haben und ein wenig tollpatschig und träge sind. Beim Toben sollten kleinere Kinder daher vorsichtig sein oder gar nicht dabei sein, um die Verletzungsgefahr zu verringern.

Graue Labradore

Eine relativ neue Erscheinung sind die grauen Labradore. Durch das „Dilute-Gen“ wird das Fell dieser Labradore silber bzw. grau. Doch das Tragen des Gens bedeutet nicht nur, dass das Fell grau wird. Es erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund an der Color Dilution Alopecia (CDA), zu Deutsch Farbmutantenalopezie, erkrankt. Diese Krankheit geht mit brüchigem Fell, trockener Haut, Fellverlust, Leber- und Nierenproblemen, sowie Juckreiz und Ekzemen einher. Sie beginnt oft schon, bevor der Hund ganz erwachsen ist und kann tödlich enden. Aus diesem Grund empfehlen wir, einen Labrador in blond, braun oder schwarz zu wählen.

(Mittel-)Pudel

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Pudel

Pudel sind tolle Hunde. Sie sind freundlich, intelligent und anpassungsfähig. Noch dazu haben Pudel für Familien 2 wirklich tolle Vorteile. Erstens gibt es vom Zwerg-Pudel bis zum Königspudel Pudel in allen gewünschten Größen. Zweitens sind Pudel durch ihr Fell, welches nicht ausfällt, tolle und weniger Schmutz machende Hunde, als andere Rassen. Das Fell des Pudels muss allerdings alle paar Monate einmal gestutzt oder geschoren werden. Dennoch ist dies ein immenser Vorteil, wenn der Hund in der Wohnung keine Haare verliert.

Pudel sind zudem relativ vielseitig. Sie können im Hundesport oder sogar als Personenspürhunde eingesetzt werden. Einige Vertreter können sich aber auch sehr gut ein Leben als Familienhund vorstellen. Der Pudel ist lernwillig und daher recht leicht zu erziehen. Seinen Platz in der Gruppe der Gesellschafts- und Begleithunde hat er sich so definitiv verdient.

Bolonka Zwetna

Familienhund_Bolonka

Bolonka Zwetna

Auch der Kleinste in unserer Auswahl ist ein Gesellschafts- und Begleithund. Der Bolonka Zwetna mit seinen 20 bis 26 cm Größe kann sich problemlos in eine Familie mit kleinen Kindern einfügen. Drinnen genießt er es, geschmust zu werden und Aufmerksamkeit zu bekommen. Draußen entwickelt sich dieser kleine Hunde jedoch zu einem richtigen Spiel-Bündel. So ist der Bolonka Zwetna bei nahezu Allem dabei, was man ihm anbieten mag und hält 1 bis 2 Stunden Spazieren am Tag locker mit.

Drinnen jedoch kann er sich auch einmal zurücknehmen und erträgt es, wenn er im Notfall auch ein bisschen kürzer treten muss. Trotz der geringen Größe ist er ein ganzer Hund und ein echter Allrounder. Sein langes Haar muss jedoch relativ oft und intensiv gepflegt werden, damit es nicht verfilzt oder überall in der Wohnung herumfliegt. Bei so wenig Hund ist jedoch die Menge des zu pflegenden Fells auch geringer, als bei größeren Rassen.

Fazit

Es ist schwierig, eine generelle Empfehlung für geeignete Familienhund-Rassen abzugeben. Daher haben wir hier zusammengefasst, was wir denken, was einen geeigneten Familienhund ausmacht. Jede Familie muss überlegen, welche Punkte wichtig sind und über was sie gewillt ist, hinwegzusehen. Dennoch gibt es einige Rassen, die durch ihre Veranlagungen besonders gut geeignet sind. Dazu gehören unserer Meinung nach Retriever, Pudel und Kleinhunde wie der Bolonka Zwetna.