Allergien beim Hund erkennen und behandeln

Allergien

Ohren und Augen sind bei diesem Hund durch Allergien stark in Mitleidenschaft gezogen.

Was ist eine Allergie?

Allein in Deutschland ist etwa jeder Fünfte von einer Allergie betroffen. 2 von 3 Menschen kennen jemanden mit einer oder mehreren Allergien.

Allergien

Antwort auf die Frage „Leiden Sie oder jemand in Ihrem Umfeld an einer Allergie?“ in Deutschland.

Doch nicht nur Menschen werden von Allergien heimgesucht. Auch Hunde können an diversen Allergien leiden. Eine Allergie ist laut Duden die krankhafte Reaktion des Organismus auf bestimmte körperfremde Stoffe (Allergene); Überempfindlichkeit“. Zu den bekanntesten Allergien gehören zum Beispiel der Heuschnupfen oder die Tierhaarallergie. Leidet man an einer Allergie, so bedeutet das, dass das körpereigene Abwehrsystem zu stark arbeitet. Im gesunden Menschen ist das Immunsystem dafür zuständig, Krankheitserreger zu finden und zu bekämpfen. Der Körper erkennt Krankheitserreger an bestimmten Signalen, die ihnen anheften. Diese Signale nennt man Antigene. Antigene werden vom Körper erkannt und die daran hängenden Krankheitserreger entsorgt.

Bei einer Allergie jedoch erkennt der Körper ungefährliche Stoffe – wie zum Beispiel Staub – als Krankheitserreger. Staub und wird nun als Krankheitserreger im Immunsystem gespeichert und bei jedem Kontakt mit Staub reagiert das Immunsystem mit Abwehrreaktionen. Die typischen Symptome wie Schnupfen oder Atemnot entstehen. Besonders wichtig ist, dass das Immunsystem bei einer Allergie nicht nur normal auf die falschen Auslöser reagiert. Es reagiert überm“ßig, wodurch die Beschwerden steigen.

Wie entstehen Allergien?

Warum genau Allergien bei einigen Menschen und Hunden eher entstehen, als bei anderen, ist noch nicht genau geklärt. Fest steht, dass die Gene eine große Rolle spielen. Dadurch haben einige Hunde eher die Veranlagung dazu, später im Leben eine Allergie zu entwickeln. Auch die Kindheit und die Umgebungen während des Aufwachsens spielen eine große Rolle. Das Immunsystem wird stark durch die Muttermilch geformt und gestärkt. Nicht gesäugte Welpen aus Flaschenaufzucht haben also ein erhöhtes Allergierisiko. Und auch der frühe Kontakt mit möglichst vielen unbekannten Stoffen kann zu einem starken, normal funktionierendem Immunsystem beitragen. Was der Körper in frühen Jahren kennenlernt, wird später eher nicht als schädlicher Stoff erkannt.

Wie erkenne ich eine Allergie?

Allergien rufen unterschiedliche Symptome hervor, je nachdem welcher Stoff die Allergie auslöst und wie der Stoff in den Körper gelangt. Menschen kennen das: Bei Heuschnupfen leiden vor allem die Nase und die Lunge, sowie die Augen. Denn hier werden die allergieerregenden Pollen mit der Atemluft aufgenommen oder mit dem Wind in die Augen getrieben.

Symptome

Generell treten bei einer Allergie vor allem Symptome an den Schleimhäuten auf, da dies die Stellen sind, an denen der Körper den Allergenen ausgesetzt ist. Dazu gehören die Nasenschleimhaut, die Bindehaut im Auge und die Darmschleimhaut. Im Allgemeinen erkennt man Allergien anhand folgender Symptome:

  • Schwellungen und Rötungen besonders an den Schleimhäuten
  • Schnupfen und Niesreiz
  • trockene oder juckende Augen
  • Husten
  • unspezifische Symptome wie Durchfall, Kopfschmerzen
  • generelle Schlappheit
Die drei häufigsten Allergien bei Hunden, ihre Auslöser und Symptome.
 AllergieAuslöserSymptome
1FlohallergieFlohspeichelJuckreiz, Haarausfall, Hautrötungen
2AtopiePollen, Hausstaubmilben, SchimmelpilzeHautentzündung besonders an Kopf und Ohren
3Futtermittelgroße Eiweiße oder Eiweißverbindungen im FutterHautentzündung, Ohrenentzündung, Verdauungsprobleme

Nachweis von Allergien

Allergien haben recht unspezifische Symptome und sind deshalb manchmal schwer zu erkennen. Falls der Verdacht auf eine Allergie besteht, können zwei Tests durchgeführt werden:

  1. Intradermal-Test
  2. in vitro-Test

Intradermal-Test

Der Intradermaltest ähnelt dem bei menschen oft angewandten Allergietest. Hier wird ein Stück Haut des Hundes rasiert. An der rasierten Stelle werden Lösungen mit unterschiedlichen Allergenen unter die Haut gespritzt. Die Reaktion des Hundes auf die verschiedenen Allergene wird beobachtet. Reagiert der Hund allergisch, entwickeln sich an den jeweiligen Stellen zum Beispiel Schwellungen und ein Juckreiz.

In vitro-Test

Ein in vitro-Test ist ein Test, der nicht am lebenden Organismus durchgeführt wird. Im Fall eines Allergietests wird dem Hund Blut abgenommen. Das Blut auf die vorhandenen Antikörper untersucht. Antiköper sind diejenigen spezifischen Teilchen, die Krankheitserreger erkennen. Verschiedene Antikörper erkennen dabei verschiedene Krankheitserreger. Mit simplen Tests kann das Blut auf Antikörper gegen bekannte allergie-auslösende Stoffe untersucht werden.

Beispiel: Futtermittelallergie

Eine weit verbreitete Allergie unter Hunden ist die Futtermittelallergie. Der Hund verträgt einen bestimmten Bestandteil seines Futters nicht, ist allergisch dagegen. Dies erkennt man zumeist an Reaktionen des Hundes an der Haut. Durch die Allergie tritt ein Juckreiz auf der Haut des Hundes auf. Durch Kratzen und Schlecken wird die Haut verletzt – besonders an empfindlichen, dünnen Stellen wie den Ohren – und es entstehen Wunden.

Futtermittelallergien entwicklen sich häufig schon im ersten Lebensjahr eines Hundes. Sie können jedoch auch erst im Laufe des Lebens auftreten, obwohl der Hund vorher nie Probleme mit einem bestimmten Futter hatte. Besonders häufig bestehen bei Hunden Allergien gegen Rindfleisch und Milchprodukte. Doch auch anderes Fleisch, Getreide oder sogar Zusatzstoffe können der Auslöser einer allergischen Reaktion sein.

Allergien

Einige Hunde haben auch Allergien gegen Inhaltsstoffe im Futter – ein schweres Los.

Ausschlussdiät

Futtermittelallergien treten bei mehr als einem in 10 Hunden auf. Um eine Futtermittelallergie gesichert festzustelle, ist eine Ausschlussdiät notwenidig. Hier frisst der Hund über einen Zeitraum von 8-12 Wochen ein bestimmtes Diätfutter. Dieses Diätfutter kann auf eine von zwei Arten hergestellt sein.

Die erste Art beinhaltet nur ein Tier als Fleischquelle. Dieses ist zumeist ein Tier, dessen Fleisch nicht häufig in Hundefutter verarbeitet wird bzw. dessen Produkte nicht im aktuellen, die Allergie auslösenden Hundefutter vorhanden ist. Dazu wird eine seltene Kohlenhydratquelle wie zum Beispiel Süßkartoffel verwendet. Dies minimiert die Anzahl der möglichen Allergene im Futter.

Die zweite Art der Ausschlussdiät basiert auf dem Fakt, dass Proteine eine bestimmte Größe brauchen, um als Allergen erkannt zu werden. Hier werden die Enzyme vor der Verarbeitung zum Futter also komplett in ihre Bestandteile zerlegt. Dadurch sind zwar alle notwendigen Nährstoffe im Futter, es können aber keine Allergien ausgelöst werden.

Nach spätestens 12 Wochen sollten sich, sofern es sich wirklich um eine Futtermittelallergie handelt, eine Besserung eingestellt haben. Danach wird noch einmal das übliche Futter gefüttert. Sind dann wieder allergische Reaktionen zu erkennen, kann von einer Futterallergie gesprochen werden. Eventuell müssen schließlich weitere Tests durchgeführt werden, um den genauen Auslöser zu entdecken. Herkömmlicherweise reicht es jedoch, das Futter umzustellen. Wichtig ist natürlich, dass der Hund während des Testzeitraumes nichts anderes als das Diätfutter frisst.

Milben im Trockenfutter

Eine besondere Falle für allergische Hunde sind Futtermilben. Diese kleinen Tiere können sich gut von Trockenfutter ernähren und sind eigentlich unvermeidlicherweise im haushalt zu finden. Einige Hunde reagieren allergisch auf diese Milben und somit auf ihr Trockenfutter. Da die Milben jedoch so ziemlich jedes Trockenfutter verdauen können, bringt hier ein Futterwechsel nichts. Auch ein Einfrieren des Futters hilft dem Hund nicht weiter. Durch das Einfrieren sterben die Milben zwar, sind allerdings immer noch in der Lage, Allergien hervorzurufen.

Bei Hunden, die Trockenfutter bekommen und eine allergische Reaktion zeigen, sollte also auch die Futtermilbe als Allergen in betracht gezogen werden! Glücklicherweise kann hier relativ einfach durch den Umstieg auf Nassfutter Abhilfe geschaffen werden.

Therapien bei Allergien

Allergien zu bekämpfen, kann immer auch bedenklich sein. Schließlich ist eine Allergie ja nun mal eine Reaktion des Immunsystems. Das Immunsystem zu schwächen oder ganz herunterzufahren, kann allerdings lebensbedrohlich sein, da dann auch wirklich Krankheitserreger nicht mehr erkannt und bekämpft werden. Es gibt jedoch einige Methoden, wie Allergien beziehungsweise ihre Symptome behandelt werden können.

Medikamente

Antihistaminika

Antihistaminika sind Medikamente, die häufig in Form von Augentropfen, Rachenspray oder Tabletten verabreicht werden. Die Antihistaminika enthalten Stoffe, die in der Lage sind, die allergische Reaktion im Körper zu blockieren. Dies geschieht, indem diese Stoffe anstelle von Histamin an einen Rezetor – einen Empfänger – binden. So kann das eigentliche Signal nicht weitergeleitet werden und die allergische Reaktion wird nicht ausgelöst.

Kortison

Allergien

Augentropfen mit Kortison können Beschwerden lindern

Kortison ist eine Abwandlung des körpereigenen Hormons Cortisol. Es wirkt entzündungshemmend und antiallergisch. Eingesetzt wird Kortison im Gegensatz zu Antikistaminika eher bei starken Allergien. Es kann als Spritze, Tablette, oder lokal als Salbe oder Spray verabreicht werden. Während Kortison oft eine sert gute Wirkung hat, hat es auch zuweilen starke nebenwirkungen. So kann es beim Gebrauch von kortison zum Beispiel zu Wassereinlagerungen und Gewichtszunahmen kommen. Auch das Risiko für Infekte ist erhöht.

Hyposensibilisierung

Im Gegensatz zur Medikation werden bei der Hyposensibilisierung nicht die Symptome, sondern die Krankheit behandelt. Die Hyposensibilisierung, auch als Desensibilisierung bezeichnet, ist eine langwierige behandlung. Hier werden dem Hund über einen langen Zeitraum Lösungen mit immer steigendem Allergengehalt gespritzt. Der Körper soll sich hierbei stufenweise an das Allergen gewöhnen, ohne eine allergische Reaktion zu zeigen. Mit dieser Methode kann bei 3 von 4 hunden innerhalb von 4 Wochen eine deutliche Linderung erreicht werden.

Fazit

Viele Hunde leiden an Allergien. Allergien können unterschiedliche und unterschiedlich starke Symptome hervorrufen. Daher sind Allergien beim Hund oft schwer zu erkennen. Trotzdem sind Allergien für den Hund eine große Bürde und rufen Unwohlsein hervor. Wer also den Verdacht auf eine Allergie seines Hundes hat, sollte dem auf jeden Fall auf den Grund gehen!

Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig. Zumindest die Symptome können bei den meisten allergieschen Hunden behandelt werden. So ist eine Allergie meistens keine dauerhafte Last.

Info zum Autor:

Hallo! Ich bin Linea, 24 Jahre jung und begeisterte Hundehalterin. Mir ist besonders das Wohlergehen meiner Hunde und meiner Umwelt wichtig. Deshalb habe ich Biologie und dann Biotechnologie studiert. Während des Studiums habe ich mich zum Beispiel aktiv dafür eingesetzt, das Bienensterben zu stoppen. Fragen zur richtigen Ernährung Deines Hundes, sowie Fragen zu Hundeverhalten und Hundekrankheiten beantworte ich gerne!

Hinterlassen Sie einen Kommentar